Laufdemo gegen Circus Krone in Ansbach
Tiere sind keine Zirkusnummer I 26.10.19

Das sagen Experten zu wilden Tiere im Zirkus

 

Zahlreiche Biologen, Wissenschaftler, Experten, Verbände und Gremien fordern schon seit vielen Jahren ein Verbot von exotischen Tieren im reisenden Zirkus. Erst kürzlich gab das zuständige Landwirtschaftsministerium unter der Leitung von Julia Klöckner bekannt, dass das Ministerium den "Einstieg in den Ausstieg" beschlossen habe. Gerade Tiere wie Giraffen, so die CDU-Politikerin, können laut ihr nicht artgerecht in einem Zirkus gehalten werden. Ist nun Bewegung in der Sache? Zu wünschen wäre es. Allerdings sind dem Ministerium bereits seit Jahren, wenn nicht schon seit Jahrzehnten, die Probleme der Haltung wilder Tiere im Zirkus bekannt. Passiert ist bisher rein gar nichts. Hier einige Expertenmeinungen zur Wildtierhaltung im Zirkus.

 

Dr. Fred Kurt, Elefantenexperte

"Zirkuselefanten führen ein eintöniges Leben. Meist haben sie angekettet in einem Stallzelt zu stehen. Stupides Körperschaukeln, Kopfnicken, angedeutete Vor- und Rückschritte sind ihre Hauptbeschäftigung. Im Zirkus heißt es, dieses „Weben“ sei wichtig für die Blutzirkulation und komme auch bei wilden Elefanten vor. Keiner der zahlreichen Biologen, die in jahre- und jahrzehntelangen Studien das Leben wilder Elefanten minutiös verfolgten, beobachtete je das Weben. Weben ist eine krankhafte Bewegungsstereotypie, die sich aus Suchverhalten entwickelte, als die Tiere zuerst kräftig versuchten sich von den Fußfesseln zu befreien."

Quelle: Schriftliche Mitteilung von Fred Kurt

Bundestierärztekammer

"Unter Heranziehung dieser Grundforderung stellt die BTK fest, dass es im reisenden Zirkus systemimmanente Probleme mit der Haltung bestimmter Tierarten gibt. Zu nennen sind hier insbesondere klimatische Anforderungen und Anforderungen beim Transport – so ist z.B. der Transport von Giraffen aufgrund ihrer anatomischen Besonderheiten sehr anspruchsvoll und mit großen Belastungen für die Tiere verbunden. Auch Anforderungen an bestimmte Umweltgegebenheiten, z.B. für die Haltung von semiaquatischen Tieren, sind unter den Bedingungen eines reisenden Unternehmens kaum im gebotenen Maß zu erfüllen."

Quelle: Stellungnahme 2016, Bundestierärztekammer

Stefan Johnigk, Biologe und Zoologe

"Wenn man Wildtiere hält, besteht die Gefahr, dass man sie nicht ausreichend beschäftigen kann."

Quelle: Kieler Nachrichten, 2012


Entschließungsantrag des Bundesrates

"Fortgesetzte  Verstöße  gegen  die  Haltungsvorschriften  für  manche Tierarten sowie die Häufigkeit von Verhaltensauffälligkeiten und gesundheitli-chen Beeinträchtigungen der betreffenden Tiere in vielen Zirkusbetrieben weisen darauf  hin,  dass  die  Bestimmungen  für  deren  tierschutzgerechte  Haltung unter den Bedingungen des Zurschaustellens an wechselnden Orten nicht realisierbar sind."

Quelle: Bundesratsbeschluss 2016


Arnulf Köhncke, Artenschutzexperte beim WWF

"Der WWF ist gegen die Haltung von Wildtieren in Zirkussen, weil diese rein wirtschaftliche Interessen verfolgen und im Kontrast zu gut geführten Zoos keinen Beitrag zum Artenschutz leisten"

Quelle: Der Tagesspiegel, 2018


Dr. Colin Goldner, Wissenschaftsjournalist

"Wildtiere haben alleine wegen der extrem beengten Haltungsbedingungen im Zirkus nichts verloren"

Quelle: Rede im Rahmen einer Demonstration vor dem Circus Krone

Prof. Dr. Kurz Kotrschal, Verhaltensforscher und Biologe

"In Österreich gibt es das generelle Wildtierverbot im Zirkus. Halte ich für gut und wird auch in anderen Ländern kommen"

Quelle: Talkshow im SWR, 2018

 

Tobias Dornbusch, Diplom-Biologe und weltweit anerkannter Elefantenexperte

"Bei in Menschenhand gehaltenen Elefanten - ganz besonders bei sozial isolierten Tieren - sind so genannte Stereotypien, etwa rhythmisches hin und her Schaukeln, nur mit dem Kopf oder mit dem ganzen Körper, sehr häufig zu beobachten. Dies wird bei Elefanten 'Weben' genannt. Eine Stereotypie ist ein Fehlverhalten von Tieren, welches negativ und nicht erstrebenswert ist. Es wird als Zeichen eines geringen Wohlbefindens betrachtet. Folgerichtig sind sie ein Anzeichen unzureichender Tierhaltung."

Quelle: nnz-online, 2016

Priska Hinz, Landwirtschaftsministerin Hessen

„Die nicht artgerechte Haltung von Affen, Elefanten, Bären, Giraffen, Nilpferden und Nashörnern im Zirkus muss endlich beendet werden. Langjährige Erfahrungen zeigen, dass die bestehenden Regelungen zum Schutz von Tieren bei diesen Wildtierarten einfach nicht greifen. Eine art- und verhaltensgerechte Unterbringung ist unter den besonderen Bedingungen eines reisenden Zirkusunternehmens praktisch nicht möglich. Der Bund wird mit unserem Antrag nun aufgefordert, die Bundesratsbeschlüsse zum Verbot einer solchen Haltung endlich umzusetzen."

Quelle: Pressemittteilung, 2019