Laufdemo gegen Circus Krone in Ansbach
Tiere sind keine Zirkusnummer I 26.10.19

Argumente der Zirkuslobby - widerlegt

Immer wieder stellen Zirkusse und Zirkusverbände krude Thesen auf, mit denen sich die Haltung von Tieren im Zirkus zu rechtfertigen versuchen. Die häufigsten dieser Behauptungen greifen wir hier auf

1. Circus ist Kultur

Dieses Argument führt Circus Krone und auch andere Betriebe immer wieder an. Die Zirkustradition hat eine dunkle Vergangenheit, denn die Vorläufer waren Negerschauen und sogenannte Freak Shows. Dunkelhäutige und behinderte Menschen wurden Ende des 18. Jahrhunderts zum Teil entführt und als Besonderheiten ausgestellt. Später lösten Tiere die Menschen ab. Eine Tradition, die vor Jahrzehnten vielleicht noch von der Gesellschaft akzeptiert wurde. Heute sind Zirkusse, die mit Tieren/Wildtieren arbeiten nicht mehr zeitgemäß. Die Mehrheit der Bevölkerung spricht sich mittlerweile gegen die Haltung von Wildtieren in reisenden Zirkusbetrieben aus. Kultur definiert sich über die Akzeptanz in der breiten Gesellschaft. Diese Akzeptanz ist verloren gegangen. Auch deshalb ist dieses Argument nicht haltbar.

2. Botschafter für Artgenossen

Der Zirkus trage indirekt zur Artenerhaltung bei, da die Tiere im Zirkus als Botschafter für ihre Artgenossen in der freien Natur dienen und diese somit schützen, so eines der Argumente. Welch Doppelmoral. Ein mit Glitzerkopfschmuck ausgestatteter Elefant, zwischen dessen Stoßstangen sich Damen laszif räkeln, soll also den Besuchern vermitteln, wie wichtig es ist, diese Tiere in der Natur zu schützen. Im Circus Krone und allen anderen Unternehmen geht es rein um den Profit auf Kosten von Tieren. Würde den Verantwortlichen tatsächlich etwas an dem Wohl dieser Tiere liegen, dann würden diese Tiere nicht ein Leben lang zu Clowns in der Manage gemacht werden.

3. Nur im Zirkus kommt man Tieren so nah                     

Lediglich im Zirkus erleben Kinder die exotischen Tiere so nah und entwickeln dadurch Empathie für diese Lebewesen. Ein ebenfalls scheinheiliges Argument. Kinder lernen in einem Zirkus, dass der Menschen das wilde Tiere zähmen kann, dass Elefanten gerne bei Musik Männchen machen und Löwen gerne über Hindernisse springen, wenn die Peitsche knallt. Die Kindern bekommen ein vollkommen verzerrtes Bild dieser stolzen Tiere vermittelt. Wer sich den Safariurlaub nicht leisten kann, der bringt seinem Nachwuchs mit spannenden Büchern und Dokumentarfilmen deutlich mehr bei, als mit einem Besuch im Zirkus.

4. Dressur beruht auf natürlichem Verhalten                    

Ja. Dieses Argument wird regelmäßig von Zirkussen, auch dem Circus Krone angeführt. Man lehne die Kunststücke in der Manege lediglich an Verhaltensweisen an, die die Tiere auch in der Natur machen würden. Zur Unterstreichung dieser Behauptung werden dann Bilder von Elefanten aus Afrika herangenommen. Darauf zu sehen sind beispielsweise Elefanten, die sich auf die beiden Hinterbeine stellen, um an die Blätter hoch oben in der Baumkrone zu gelangen. Die Umgebung und die Notwendigkeit solcher Verhaltensmuster sind im Zirkus grundlegend anders. In der Show müssen die Tiere, unter dem Einsatz von Stöcken, Peitschen und Elefantenhaken, regelmäßig die eingeübten Kunststücke präsentieren - ob die Tiere nun wollen oder nicht.

5. Zirkusse sind die meistkontrolliertesten Tierhaltebetriebe Deutschlands                  

Zirkusse werden so oft von Veterinärbehörden kontrolliert, wie kein anderer Tierhalter. Daher sei eine tierschutzkonforme Haltung garantiert, so die Zirkuslobby. Fakt ist: für Zirkusse gelten in Deutschland äußerst schwache Vorgaben. Geregelt sind sie in Jahrzehnte alten Zirkusleitlinien, die längst nicht mehr an die heutigen Standards angepasst sind. Es ist also keine Schwierigkeit die laschen Vorgaben in Sachen Gehegegröße einzuhalten. Und auch wenn dies der Fall ist, bedeutet das noch lange nicht, dass es auch ethisch vertretbar ist. Man denke nur an das millionenfache Kükenschreddern und das betäubingslose Ferkelkastrieren - alles mit unserem Tierschutzgesetz vereinbar.

6. Es gibt keine wissenschaftlichen Erkenntnise für eine nicht artgerechte Haltung                

Circus Krone und CO behaupten immer wieder, es seien keine wissenschaftlichen Studien und Erkenntnise vorhanden, dass bestimmte Tierarten im Zirkus leiden würden. Das ist falsch. In Nachbarländern wie Österreich basiert das Wildtierverbot auf umfassenden Studien und Berichten von Wissenschaftlern. Diese kommen, wie auch der wissenschaftliche Dienst des Bundesrates in Deutschland, zu dem Entschluss, das Arten wie Elefanten, Giraffen und Bären in einem Zirkus nicht artgerecht gehalten werden und unter den Haltungsbedinungen leiden. Ein Indiz dafür sind Verhaltensstereotypien, wie sie auch bei den Krone-Tieren immer wieder beoachtetet werden. Sie kommen ausschließlich in Gefangenschaft vor und lassen auf ein inneres seelisches Leiden schließen. Wie das Bundeslandwirtschaftsministerium erst vor wenigen Wochen in vertrauensvollen Gesprächen mit Tierschutzvertretern bestätigte, liegen mittlerweile auch für Deutschland umfassende wissenschaftliche Studien vor, die belegen, dass bestimmte Wildtierarten im Zirkus "erheblich leiden". Bisher folgte auf die Erkenntnis keine Reaktion.

7. Millitante Tierrechtler führen einen ideologischen Kampf gegen Zirkusse        

Es seien millitante Tierrechtler, die einen Kampf gegen Zirkusse führen, so die Behauptungen. Diese Ansicht ist veraltet. Nicht nur Tierrechtsvereine und Organisationen kritisieren die Haltung von Tieren im Zirkus. Die Bundestierärztekammer fordert ein bundesweites Wildtierverbot für reisende Zirkusse in Deutschland. Genauso wie die Bundestierärztekammer, die Grünen, Linken, die SPD, Organisationen wie der WWF, der Deutsche Tierschutzbund, Vier Pfoten, PETA Deutschland und zahlreiche andere Initiativen. Die Diskussion wird seit Jahren in der breiten Gesellschaft geführt und ist keine Erfindung einzelner millitanter Tierrechtsaktivisten.

8. Hunde zu halten ist genauso falsch!

Es gibt tatsächlich Zirkusse, die auf ihren Veranstaltungsplakten gleich vorsorglich einige "Argumente" für die Tierhaltung aufdrucken. Eines davon ist, dass Tiere im Zirkus wie Haustiere behandelt werden und das doch nicht verboten sein kann. Immerhin sei es dann auch Tierquälerei, wenn Hunde gehalten werden. Dieser primitive Versuch eines Arguments zeigt, wie hilflos die Branche ist. Ein Hund stammt vom Wolf ab und wurde vor Tausenden Jahren domestiziert. Für eine Domestizierung braucht es laut Wissenschaftlern zwischen 15.000 und 100.000 Jahre Gewöhnung an den Menschen. Bei Elefanten im Zirkus handelt es sich in der Regel um Tiere, die in der allerersten Generation im Zirkus gehalten werden. Von einer Domestizierung kann also nicht gesprochen werden.